Rache


Simone und Erik hatten sich während einer Schulreise im Ausland kennen gelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Simone war von dem exotischen Exemplar von Mann überwältigt. Erik flirtete sofort mit ihr und er gab ihr seine ganze Aufmerksamkeit. Simone liebte das. Eriks dunkelbraune Augen brachten sie um den Verstand und sie wusste, vom ersten Augenblick, dass sie ihn haben wollte. Wenn Simone nicht gerade in der Austauschschule war, verbrachte sie jede freie Minute mit Erik und ihren Freundinnen. Nach und nach lernte sie seine Freunde kennen. Ihre freien Tage verbrachte sie zusammen mit den anderen am Strand und abends besuchten sie diverse Lokale, um etwas abfeiern zu können. Als die Abreise bevorstand, waren Erik und Simone sichtlich bedrückt. „Ich habe mich in dich verliebt Erik.“, sagte Simone mit Tränen in den Augen. „Dass es so weh tun würde, dachte ich anfangs nicht. Doch nun abreisen zu müssen, reißt mir das Herz aus der Brust.“ Erik umarmte Simone innig und flüsterte ihr honigsüße Worte ins Ohr. „Ich werde dich nie vergessen, meine Kleine. Auch ich habe dich sehr liebgewonnen und wer weiß was eines Tages sein wird.“ Noch eine zärtliche Umarmung und ein inniger Kuss und dann war er um die Ecke verschwunden. Simone stand im fahlen Licht einer Straßenlaterne und sah in die Richtung, in die Erik gegangen war. Ein Tränenschleier vernebelte ihr die Sicht und ihre Knie zitterten leicht. Simone hatte Schwierigkeiten sich auf den Beinen zu halten und doch nahm sie sich zusammen und ging langsam in die Unterkunft zurück. In dieser Nacht machte sie kein Auge zu, obwohl sie am nächsten Tag eine anstrengende Reise vor sich hatte. Stattdessen schwor sie sich, eines Tages zurück zu kommen und um ihre Liebe zu kämpfen.

„Hey Sis.“ „Was gibt’s?“, sagte Simones jüngere Schwester Daniela. „Kannst du dich noch erinnern, als ich diesen Typen kennen gelernt habe?“ „Ehm, nein. Um wen handelt es sich genau?“ Daniela streckte ihrer Schwester die Zunge entgegen. „Haha sehr witzig. Ich meine den Kerl, den ich vor zwei Jahren während des Auslandsaufenthaltes kennen gelernt habe. Na ja, ich wollte dich fragen, ob du mit mir vielleicht für ein paar Tage dort hin fährst, um ihn zu überraschen. Alleine traue ich mich nicht.“ „Wann? Dieses Wochenende? Da ist doch Halloween.“ „Ja, und ein verlängertes Wochenende sozusagen. Somit können wir schon Morgen zeitig in der Früh abreisen.“ „Roadtrip was?“. Daniela lachte und stimmte zu. „Ein verlängertes Wochenende zum Abschalten. Das würde mir jetzt gut bekommen.“ Die beiden Schwestern packten ihre Sachen und wollten früh zu Bett gehen, um vor Sonnenaufgang los fahren zu können.
„Es ist aber ordentlich frisch heute morgen.“, sagte Simone und rieb ihre Hände aneinander. „Das kannst du laut sagen. Hast du alles? Dann können wir ja los. Aber weißt du überhaupt wo wir hin müssen?“ „Ja Schwesterchen. Hier ist alles auf dem Zettel notiert. Nimm!“ Die beiden fuhren los und konnten es kaum erwarten, dieses Jahr Halloween an einem anderen Ort zu feiern. Sie wusste nicht, wie Erik reagieren würde. Zwei Jahre waren mittlerweile vergangen, als sie sich das letzte Mal gesehen. Eriks Freund Rick, mit dem sie ab und zu Kontakt hielt, sollte ihn zum vereinbarten Ort bringen und er würde in der Zwischenzeit uhrer kleunen Schwester Gesellschaft leisten. ‚Das war perfekt!‘, dachte Simone und machte es sich im Auto bequem. „Ich bin schon so gespannt was da raus kommt. Echt jetzt. Ich habe Erik nichts gesagt. Ich hoffe er bekommt keinen Schock.“
Die Autofahrt dauerte 7 Stunden und als Daniela und Simone endlich am Zielort angekommen waren, mussten sie sich zuerst einmal die Beine vertreten. „Wir sind da. Endlich.“, sagte Daniela. „Aber wo ist das Hotel? Ich muss schon so dringend aufs Klo. Bei den Raststationen kann ja kein Mensch gehen, ohne sich gleich irgendeine Krankheit einzufangen.“ „Ach jetzt übertreibst du aber. Lass mich mal sehen. Ich glaube, das Gebäude dort an der Straßenecke ist unser Hotel. Es war im gotischen Stil erbaut und wirkte von außen sehr einladend. Eine Allee führte die Auffahrt entlang und die dahinterliegende Wiese wirkte sehr gepflegt. „Das sieht ja schon mal Schick aus. Meinst du nicht auch? Ich denke aber, wir können ruhig mit dem Auto bis vor das Hotel fahren. Die werden doch auch Parkplätze für ihre Gäste haben.“ Während Daniela sich schnell in einer Bar erleichterte, schrieb Simone eine Kurznachricht an Rick. „Sind angekommen. Hoffe du kannst alles Regeln. Vergiss nicht dicht zu halten. Es soll eine Überraschung werden. Sagen wir in zwei Stunden in der Bar hier in der Trap Street?“ Simone musste nicht lange auf die Antwort warten und war froh, dass sie positiv ausfiel. Sie war nervös und fühlte sich wie ein kleines verliebtes Schulmädchen.  Hoffentlich klappt alles!, dachte sie. „So, Schwesterherz. Auf geht’s.“ Daniela sah ihre Schwester von der Seite an und musste lachen. „Entspann dich, sonst wird das nichts mit einem ausgelassenen Wochenende.“ „Ich bin entspannt.“, antwortete schnell und startete das Auto. 
Simone schwang sich unter die Dusche und begann alle wichtigen Stellen ihres Körpers zu rasieren – man wusste ja nie. Sie wusch sich ihre langen, rot gefärbten Haare und gönnte sich ein Bodypeeling aus Jasminblüten. Sie wollte auf jeden Fall gut vorbereitet sein, wenn sie Erik gegenüber stand. „Nun die Qual der Wahl.“, sagte Simone, eher zu sich selber, als zu ihrer Schwester. Ihre Schwester machte sich nicht viel aus Mode und Make up und deshalb bat sie sie erst gar nicht um Hilfe. Es war ziemlich kalt, so wie jedes Jahr zu Halloween. Auch heuer ließ der Frost nicht zu lange auf sich warten. Simone entschied sich für ein rabenschwarzes Strickkleid mit Baumwollstrumpfhosen und schwarzen Keilabsatzstiefeln. Sie konnte es nicht lassen. Schwarz machte sie unglaublich an. Der Kontrast zu ihren roten Haaren war einfach unwiderstehlich, fand sie.

Zur vereinbarten Uhrzeit befanden sich die beiden Schwestern vor der Bar, in der Trap Street und warteten auf Erik und Rick. Die beiden waren noch nicht da und so sahen sie sich ein bisschen in der Gegend um. Dieses Fleckchen Erde hier schien nicht all zu viele Einwohner zu haben. Es war leicht abgelegen und von einer üppigen Natur geprägt. Simone konnte sich gar nicht mehr so genau an den Ort erinnern. Sie schien damals nur Augen für Erik gehabt zu haben. Dichte, hochgewachsene Bäume prägten das Landschaftsbild. Die Häuser in den Straßen hatten großteils verriegelte Fenster, sodass man nicht hinein sehen konnte und auch nicht erkennen konnte, ob eine Familie zuhause war oder nicht. Sehr charakteristisch, wie die beiden Schwestern meinten. Als sie weiter das Dorf erkunden wollten, bemerkte Simone zwei junge Männer auf der anderen Straßenseite. „Du, Daniela. Das sind sie. Oh mein Gott. Ich flippe aus. Was soll ich nur tun. Wir müssen hier verschwinden.“ Als Simone gerade abhauen wollte, packte sie Daniela an der Schulter und zog sie näher zu sich. „Du bleibst schön hier. Du hast gesagt, dass wir ein Wochenende hier verbringen werden und das machen wir jetzt auch. Hey, was kümmert’s dich, wenn’s nichts wird? Wir können uns immer noch zu zweit einen Spaß machen.“ „Du hast recht. Na gut. Ich bleibe.“ Simone atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Als die beiden Jungs auf sie zu kamen, erkannte sie Erik sofort. Er war der hochgewachsene, gut aussehende, dunkelhaarige Adonis. Wie konnte sie ihn nur vergessen? Gar nicht. Sofort fühlte sie sich wie vor zwei Jahren, als ihr Körper sich nach dem seinen sehnte. Das war heute nicht anders. „Entspann dich!“, säuselte ihr Daniela ins Ohr. „Ich versuch es ja!“, zischte sie zurück. Rick begrüßte die beiden Schwestern herzlich und stellte sich bei Daniela selbst vor. Er war etwas kleiner als Erik und rundlicher, aber sehr sympathisch. Daniela hatte sowieso nichts für Männer übrig, somit würden sie schon gut miteinander klar kommen. Nach einem kurzen Wortwechsel gingen Rick und Daniela in die kleine Bar und ließen die anderen beiden zurück. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Nur Erik und Simone standen auf dem Gehsteig und sahen sich an. Verlegen spielte Simone mit einer Haarsträhne und suchte nach den richtigen Worten. „Erik…Überraschung.“ Ein zaghaftes Lächeln blitzte über ihre Lippen. Rrik sah sie einfach nur an. Sein Blick durchbohrte  sie regelrecht und als Erik nach einer Weile immer noch nichts sagte, war sie den Tränen nahe. Auf einmal fühlte sie sich der Sache nicht mehr so sicher und wollte im Erdboden verschwinden. „Ich dachte ich überrasche dich und komme dich besuchen. Ich…ich hab nicht weiter darüber nachgedacht. Ich dachte du würdest dich auch freuen mich wieder zu sehen. Ich hab mich wohl getäuscht.“ Als Simone sich umdrehte und weggehen wollte, packte sie Eriks Hand an der Schulter und drehte sie zu sich um. „Geh nicht Simone.“ Seine tiefe Stimme ging ihr durch Mark und Bein und sie blieb wie angewurzelt stehen. Sie drehte sich zu Erik um und sah ihn an. „Es freut mich dich zu sehen. Es ist nur…ich habe dich nicht erwartet.“ „Schon klar. Du hast eine Freundin und willst keinen Ärger mit ihr. Aber ich bin ohne Absichten gekommen. Ich wollte dich einfach nur besuchen.“ Simone konnte den Ausdruck in seinen Augen nicht deuten. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken und sie wusste nicht, ob das von der Kälte, oder von Eriks Blick kam. „Es tut mir leid, wenn ich dich in eine blöde Situation gebracht habe. Ich glaube es wäre besser, wenn ich jetzt gehe.“ Bevor sie sich umdrehen konnte, kam Erik einen Schritt auf sie zu, nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände und küsste sie so, als wäre es das letzte Mal gewesen. In dem Kuss lagen Wärme und Zuneigung, doch Simone spürte noch etwas anderes – Unsicherheit. Erik war verändert, aber sie konnte nicht deuten woran es lag. Vielleicht war ihre Erinnerung einfach nur vernebelt. Trotz, oder gerade wegen des Kusses, fühlte sie sich verletzt. Simone hatte sich mehr Freude erwartet. Erik umgab eine mystische und eigenartige Aura. Ab und zu drehte er sich um, so als ob er Angst hätte, dass sie jemand sehen konnte. „Gehen wir zu den anderen beiden in die Bar!“, sagte er nach einem Moment des Schweigens. Es war mehr ein Befehl, als eine Frage. 

In der Bar war es schön warm und überall hingen Skelette und Kürbisfratzen herum. Sie war einladend gestaltet und nicht ungewöhnlich, da hier am Abend eine Halloween Feier stattfand. Es war noch früh, deshalb befanden sich nur der Kellner und der Koch plaudernd hinter dem Tresen. Viel Arbeit war ja noch nicht zu erledigen. Die Vorbereitungen schienen abgeschlossen zu sein und Rick und Daniela hatten sich schon ihre Getränke bestellt. In einer Ecke unterhielten sie sich angeregt. Über was, das konnte Simone nicht hören, aber sie war froh, dass sich ihre Schwester nicht langweilte. Sie wusste nur zu gut, wie nervig sie sein konnte, wenn es etwas gab, dass ihr nicht gefiel. Als sie sich dem Tisch der beiden näherten, sahen sich Rick und Erik einen Moment lang still an. Simone schenkte dem nicht viel Aufmerksamkeit, denn sie wollte dringend mit ihrer Schwester sprechen. „Weißt du wo hier die Toilette ist. Ich muss mal.“ Sie drängte ihre Schwester schneller zu gehen und stieß sie hastig in die Tür. „Es war ein Fehler hier her zu kommen Sis. Es ist die reinste Katastrophe.“ „Jetzt beruhige dich mal. Was ist denn passiert?“ „Ich weiß nicht. Nichts. Es ist einfach nur komisch. Findest du nicht auch?“ „Nein, im Gegenteil. Rick ist recht amüsant.“ „Schön für dich. Ich hingegen bin einer Illusion gefolgt. Ich weiß nicht wie ich mit Erik reden soll und er scheint auch nicht so gesprächig zu sein, wie ich es eigentlich in Erinnerung hatte. Wenn wir nicht so weit fahren müssten, würde ich ins Auto springen und davon flitzen. Irgendetwas stimmt hier nicht, nur weiß ich nicht was. Vielleicht hat er eine Freundin oder sonst irgendwelche Geheimnisse, von denen ich nichts erfahren soll.“ „Jetzt übertreib mal nicht. Schließlich ist er noch hier. Lassen wir es ruhig angehen und wenn du morgen Früh immer noch der Meinung bist, dass es ein Fehler war hier her zu kommen, dann fahren wir nach dem Frühstück wieder zurück. Was meinst du?“ „Ja, du hast ja recht. Ich werde mir jetzt erst mal was starkes zu trinken bestellen, dann bekomme ich vielleicht wieder einen klaren Kopf.“ Die Menüauswahl war nicht groß und doch fand Simone sofort etwas, dass ihr zusagte. „Ich hätte gerne einen Eierlikörpunsch mit Rum, wenn das möglich ist.“ Der Kellner drehte sich ohne zu Antworten um und verschwand in der Küche. Simone beobachtete ihre Schwester und die zwei Jungs von der Bar aus und versuchte das Verhalten Eriks zu begreifen. Während Rick und Daniela miteinander lachten, saß er nur da und verfolgte Stumm das Gespräch. Ab und zu wagte er einen hastigen Blick zu Simone, nur um sich dann wieder der Unterhaltung am Tisch zu widmen. „So bitte sehr, der Eierlikörpunsch. Noch etwas?“ „Nein danke. Uh der ist wirklich gut.“ Simone leckte sich über ihre Lippen und nahm noch einen großen Schluck von dem warmen Getränk, bevor sie wieder zu den anderen zurück ging.

Als sie bei ihrem dritten Punsch angelangt war, begann sich die Bar zu füllen. Der Kellner drehte die Stereoanlage auf und ein leises Stimmengewirr entwickelte sich. Als plötzlich die Tür aufging und eine schlanke, hochgewachsene Frau die Bar betrat, ebbten die Gespräche für den Bruchteil einer Sekunde ab und jeder einzelne Gast Blickte zum Eingang. Die Frau hatte tiefblaue Augen und langes, glattes, blondes Haar. Als sie weiter ins innere der Bar trat, begannen die übrigen Gäste ihre Gespräche fortzusetzen. Nur Simone schaffte es nicht, den Blick von ihr abzuwenden. Sie war eine hübsche Frau und doch machte sie ihr Angst. Die mysteriöse Blondine ging zur Bar und ohne ein Wort zu verlieren, bekam sie ihren Martini serviert. Sie nahm ihn entgegen und stolzierte zu dem Tisch, wo Simone mit den anderen dreien saß. Schnell wandte sie den Blick ab und stupste ihre Schwester an. „Freundin Alarm!“ „Das weißt du nicht Simone. In einem Dorf kennt jeder jeden. Die wird hier wohnen.“ Die Unbekannte blieb neben Simone stehen und sah mit einem hämischen Lächeln in die Runde. „Rick, Erik. Wollt ihr mich nicht vorstellen?“ Rick sprang nervös auf. „Tamara, das sind Daniela und Simone. Zwei Freundinnen aus vergangener Zeit. Sie sind hier, um ein paar Tage in unserem schönen Ort zu verbringen. Mädels, das ist Tamara.“ „Sehr erfreut.“, surrte Tamara und streckte Simone ihre schlanke, manikürte Hand entgegen. „Freut mich euch kennen zu lernen.“ Dann ging sie auf Erik zu und steckte ihm ihre Zunge in den Mund. Fast verschluckte sich Simone an ihrem Punsch. Sie traute ihren Augen nicht. Also doch seine Freundin., dachte sie verletzt, aber versuchte so unbekümmert wie möglich zu wirken. „Du lebst hier, Tamara?“ Tamara drehte unnatürlich flink ihren Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kam und durchbohrte Simones Seele mit einem einzigen Blick. Ihre eisblauen Augen ließen nicht von ihr ab. „Ja, richtig und Erik ist mein Liebhaber.“ Die ganze Zeit über kam kein Wort aus Eriks Mund, aber er schien nicht vor zu haben, etwas zu der peinlichen Situation zu sagen. Tamara schwang ihren kleinen, perfekten Hintern auf einen der Stühle und überkreuzte ihre endlos langen Beine. Sie trug hautenge, schwarze Lederleggins und eine schwarze Jersey Bluse. Sie war atemberaubend sexy, aber auch gefährlich. Ihre langen, manikürten Nägel waren in einem dunklen rot lackiert und ihre Augen wurden von einem schwarzen Kajalstrich umrandet. Auch wenn Halloween war, wusste Simone sofort, dass dies kein Kostüm war. Sie schien eine männerfressende Schlampe zu sein. Oder so etwas in der Art. Aus Simones Angst wurde Kampfgeist und sie schwor sich, nicht so einfach aus diesem Dorf zu verschwinden. Die Opferrolle hatte noch nie gut zu ihr gepasst. Tamara versuchte mit ihrem Verhalten Krieg anzuzetteln, also konnte sie den haben. „So Erik, das ist also deine Freundin von der du uns noch nichts erzählt hast?“ Tamara musste schmunzeln und nahm noch einen Schluck von ihrem Martini. „Freundin ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, meine Süße.“, antwortete Tamara eiskalt. „Aber du darfst es gerne so sehen, wenn es dir gefällt.“ Gott sei Dank kam schön langsam etwas Schwung in die Bude und die Musik wurde lauter. Die Spannung war kaum noch auszuhalten. Aus der Küche strömten verschiedenste Aromen und die Menschen in dem Lokal lachten und unterhielten sich ausgelassen. Jeder kam in einem Kostüm und Simone fühlte sich etwas fehl am Platz. Aber da sie sich schon den ganzen Nachmittag so gefühlt hatte, konnte sie am Abend ruhig so weiter machen. Es kümmerte sie nicht mehr. Sie zog Daniela an die Bar, um noch ein paar Getränke zu bestellen und wollte die Möglichkeit dazu nutzen, mit ihrer Schwester alleine zu sprechen. „Sis. Dieser Rick ist echt lustig und ich glaube ich spüre den Alkohol schon, was komisch ist, denn soviel habe ich nicht getrunken. Was soll’s, Hauptsache Spaß.“ „Sag Daniela, bekommst du denn gar nichts mit?“ „Doch, wieso?“ „Na diese Tamara. Wer ist sie?“ „Eine Liebhaberin von Erik. Das hat sie zumindest behauptet.“ „Ja und der hatte nichts einzuwenden.“ „Das ist doch egal meine Gute, denn wenn sie eine Liebhaberin ist, heißt das nur, dass du ihn dir schnappen kannst. Sie ist nicht seine Freundin. Was meinst du?“ Daniela wog ihre Hüften im Takt zu White Snakes Here I go again und erschrak kurz darauf, als eine Mumie neben ihr auftauchte. „Hey, geiles Kostüm.“ Die Mumie ließ nur undeutlich von sich hören und verschwand mit einem Bier in der Hand in der Menge der Partygäste. „Die Kostüme einiger Leute sind der Hit. Hast du Frankenstein gesehen? Super gruselig.“ Daniela grinste, nahm das Tablett mit den Getränken und bahnte sich einen Weg zu ihrem Tisch. Edward mit den Scherenhänden gesellte sich zu Simone und bat ihr einen Whisky mit Eis an. Zuerst zögerte sie, doch dann nahm sie ihn dankend an. „Du bist nicht von hier. Stimmt’s?“ „Richtig. Ich wollte einen Freund besuchen, aber das ist wohl in die Hose gegangen. Übrigens ich bin Simone.“ „Sehr erfreut ich bin Edward.“ Der Verkleidete lachte ein helles, freundliches Lächeln. „Scherz. Ich heiße Stefan. Also auf uns.“ „Auf uns.“ Simone kippte den Shot hinunter, schnappte sich dann Stefans Hand und zerrte ihn auf die Tanzfläche. Sie wollte den peinlichen Tag einfach vergessen und Stefan schien ihr ein netter Kerl zu sein. Erik konnte die Szene verfolgen und er war froh zu sehen, dass sich Simone anderweitig beschäftigte. Als Simone mit Stefan tanzte, bemerkte sie, dass sie von Erik beobachtet wurde, während Tamara ihm etwas ins Ohr flüsterte. Es gab ihr einen Stich ins Herz, als sie die Szene beobachtete und doch bemühte sie sich sehr, sich weiter mit Stefan, alias Edward mit den Scherenhänden, zu vergnügen. Als Simone nach kurzer Zeit noch einmal zu dem Tisch hinüber sah, war Tamara verschwunden. „Na endlich!“, dachte Simone. „Ich dachte die würde überhaupt nicht mehr gehen.“ „Hast du etwas gesagt.“, brüllte Stefan, um sich im hohen Lärmpegel hörbar zu machen. „Nein gar nichts. Kommst du mit zu meiner Schwester? Wir sitzen dort in der Ecke.“ „Ja klar. Geh schon mal vor. Ich komm dann nach.“ Als Simone zu ihrem Tisch kam, saß nur Erik dort. Seine dunkelbraunen Augen fixierten Simones Bewegungen im Detail, sodass sie Schwierigkeiten hatte zu denken. „Was willst du Erik? Musst du nicht deiner Freundin nachlaufen?“ Angewidert nahm sie ihre Tasche und ging vor das Lokal um eine zu rauchen. Weit und breit war keine Spur von Daniela, doch sie dachte sich nichts dabei. Irgendwie passierte das immer so, wenn die zwei Schwestern miteinander ausgingen. Das Hotel war ja nicht weit von hier, also konnte sie auch alleine ins Zimmer gehen, wenn sie dazu Lust hatte. 

Die Nacht war glasklar und die Luft war eisig. Simone bereute es, die Jacke im Hotelzimmer gelassen zu haben. Zahlreiche Sterne funkelten am Himmel und die Straßen waren nun von einigen Jugendlichen in Kostümen gesäumt. Der Brauch des All Hallow’s Eve kommt langsam nach Europa zurück. Es war noch kein Fest, dass von der breiten Masse gefeiert wurde und doch waren von Jahr zu Jahr mehr Menschen in den alten Brauch involviert.
Simone stand alleine vor dem Eingang des Lokals und war froh ihre Ruhe zu haben. Sie blickte in den dunklen Nachthimmel und verlor sich in ihren Gedanken. Als eine verführerische Stimme an ihr Ohr drang, sprang sie mit einem Schrei zur Seite und versuchte zu erkennen, von wo aus das Geräusch kam. Simones Atem ging schnell und sie zitterte am ganzen Körper. „Was für ein Scheiß ist das denn?“, fragte sie halblaut in die Nacht und suchte immer noch im Dunkeln nach der verantwortlichen Person. Nichts. Sie konnte niemanden sehen. Nach einem letzten Zug von ihrer Zigarette, blickte sie sich noch einmal um und verschwand dann schnell in dem Lokal, wo die Dorfbewohner heiter feierten. Sie ging mit großen Schritten zu dem Tisch, wo zuvor noch ihre Schwester gesessen hatte, doch sie fand nur Edward mit den Scherenhänden vor. „Ich dachte du wärst schon weg.“, sagte Edward. „Ich war nur kurz draußen. Wo sind die anderen?“ „Keine Ahnung. Ich warte hier nur auf eine Freundin, weil wir dann auf eine Privatfeier gehen. Kommst du mit?“ Simone dachte einen Augenblick über das Angebot nach, doch lehnte dankend ab. Ihr war der Spaß sichtlich vergangen. Sie nahm ihre Sachen und verabschiedete sich schnell. Simone kämpfte sich durch die immer betrunkener werdende Menge an Monstern und versuchte auf die Straße zu gelangen. So wie sich vorhin noch einige Personen auf der Straße aufhielten, war jetzt keine Menschenseele mehr zu sehen. Simone sah sich noch ein mal um und steuerte dann auf das Hotel, am Ende der Trap Street, zu. Es war eisig auf den Straßen und sie konnte ihren Atem deutlich sehen. Als sie in Gedanken versunken die Straße entlang ging und über die letzten Stunden des Tages nachdachte, wurden sie durch ein lautes, unangenehmes Schaben unterbrochen. Das unheimliche Geräusch lenkte ihre Aufmerksamkeit auf einen der vielen Sträucher, die am Straßenrand wuchsen. Sie blieb einen Moment lang stehen und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. „Es wird irgendein Tier sein.“, sagte sie mit leiser, zittriger Stimme zu sich selbst. Als Simone jedoch weiter nichts wahrnahm, setzte sie sich wieder in Bewegung. Kaum hatte sie aber zwei Schritte getan, kehrte das schabende Geräusch zurück. Dieses Mal war es lauter und noch unheimlicher als zuvor. Ihr Verstand sagte ihr, dass sie sofort zum Hotel zurück gehen sollte, doch die Neugierde war stärker. Trotz ihrer Angst wollte sie nachsehen was es war. Simone näherte sich dem Straßenrand und versuchte in dem dichten Gestrüpp etwas zu erkennen. Unter ihren Füßen knackten die Äste, als sie zerbrachen und je tiefer sie in das Unterholz vordrang, desto weniger Licht erreichte sie von der Straße aus. Sie brauchte einen Augenblick, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, dann ging sie vorsichtig weiter. Das Mädchen stand vollkommen allein, in Mitten hoher Bäume, in einem Dorf, dass sie kaum kannte. Ihr Atem ging schnell. Trotz der Kälte fing sie zu schwitzen an. Sie hatte keine Ahnung was sie erwartete und doch folgte sie dem unangenehmen Geräusch. Mit jedem Schritt, mit dem sie sich näherte, wurde das Knirschen und Kratzen, lauter. Simone fühlte sich zunehmend ferngesteuert. Wie vor dem Lokal, drang eine süße Stimme an ihr Ohr. Sie verstand nicht ganz was es bedeutete und doch hatte sie direkten Einfluss auf sie. Sie ging weiter und kümmerte sich nicht mehr um das Angstgefühl. Es war, als würde sie nicht mehr sie selbst sein.

Als Simone zu sich kam, war sie leicht desorientiert. Sie konnte nicht erkennen wo sie sich befand, doch sie versuchte sich zu erinnern, was geschehen war. In ihrem Kopf pochte es. Es schien, als würde ihr Gehirn jeden Augenblick explodieren. Sie griff sich über das linke Auge und zuckte vor Schmerz zusammen. Eine klebrig, warme Flüssigkeit hinterließ ihre Spuren an Simones Finger. Ächzend versuchte sie sich zu erheben, hatte jedoch leichte Schwierigkeiten das Gleichgewicht zu halten. „Ruhig bleiben Simone. Ruhig bleiben! Das wird schon wieder.“, beruhigte sie sich selber. „Was ist nur passiert? Wieso bin ich hier?“ Sie suchte in ihrer Tasche nach ihrem Handy, doch sie konnte es nicht finden. Simone zitterte am ganzen Körper, teils aus Angst und teils der niedrigen Temperatur wegen. Ein starker Wind blies ihr ins Gesicht. Langsam kam sie zu sich und sie bemerkte, dass sie in einer Grube festsaß. Ich muss hinunter gestürzt sein, als ich dem Geräusch gefolgt bin., dachte sie und spürte Panik in sich aufsteigen. „Hilfeee! Ist da jemand? Ich bin hier unten!“ Nach und nach dämmerte ihr, dass sie in echten Schwierigkeiten steckte. Aber wer konnte ihr nur etwas böses wollen? Sie kannte hier doch niemanden. Niemanden außer Erik! „Oh mein Gott Erik.“, sagte sie leise. „Erik! Wo bist du? Was willst du von mir?“, schrie Simone wütend in die dunkle Nacht hinein. Ihre Stimme verschwand im Nichts und niemand antwortete ihr. Der Wind war eisig kalt und erneut drang eine süße Stimme an ihr Ohr. „Simone.“, flüsterte sie. Es schien als würde der Wind ihren Namen säuseln. Ihre Unterlippe fing zu beben an und ihre Angst ließ ihren Überlebensinstinkt erwachen. In Panik vor dem Tod versuchte sie aus der tiefen Grube zu entkommen. Sie wollte die unheimliche Stimme nicht mehr hören und vor allem wollte sie nicht an Halloween sterben. Verzweifelt versuchte sie sich an einer dicken Baumwurzel hochzuziehen. Aus zwei Metern Höhe stürze sie in die tiefe Dunkelheit zurück. Mit aufgeschnittenen Händen und zerrissenen Strumpfhosen blieb sie wimmernd liegen und ergab sich der honigsüßen Stimme. Langsam fühlte sie, wie das Leben aus ihrem Körper wich. Böse Dunkelheit umgab sie und drang in sie ein. Simones Körper erhob sich vom kalten, schmutzigen Untergrund und bog sich empor. Die geballte Kraft des Windes ergriff Simones regungslosen Körper und wirbelte ihn gegen die Innenwand der Grube. „Lass sie in Ruhe!“, schrie jemand aus der Dunkelheit. Der Wind ließ sofort von dem Mädchen ab. Es herrschte Totenstille. Simones Körper schlug hart auf dem Boden auf. Ein leises Wimmern entkam ihrer Kehle und als sie eine männliche Stimme aus einiger Entfernung wahrnahm, kam sie langsam zu sich. „Was ist passiert? Wo bin ich?“, stöhnte sie ins Nichts und versuchte sich aufzusetzen. Simone versicherte sich, dass sie sich nichts gebrochen hatte, als sie plötzlich jemanden wahrnahm. „Simone? Geht es dir gut?“ „Wer ist da? Ich brauche Hilfe.“ Mit schwacher Stimme versuchte sie sich bemerkbar zu machen, doch ihr fehlte die Kraft dazu. „Simone, hörst du mich?“ Als Simone klar wurde, mit wem sie es zu tun hatte, ließ der Schmerz der Wut ihren Platz. „Erik du Arschloch. Was hast du mit mir vor?“ Simone hätte Lust gehabt ihm den Kopf einzuschlagen, doch sie wusste auch, dass sie die Grube ohne seiner Hilfe nicht mehr lebend verlassen würde. „Kannst du dich bewegen?“, fragte Erik besorgt. „Ja, ich denke schon. Gebrochen scheint nichts zu sein.“ Erik warf Simone einen Strick entgegen und zog sie Schritt für Schritt an die Oberfläche hinauf.
„Oh mein Gott Simone. Geht es dir gut?“ Erik umarmte Simone und legte ihr seine Jacke über die Schulter. „Heißt das, du hast nichts damit zu tun?“ Sie deutete auf die Grube. „Was zur Hölle? Nein! Was hast du hier überhaupt getrieben?“ Erik wusste was Simone an diesem Ort tat, doch er konnte es ihr nicht erzählen, also hörte er ihr Aufmerksam zu. „Du musst verschwinden Simone.“ „Erik, das habe ich jetzt schon verstanden. Es ist dir unangenehm, dass ich hier bin. Deine neue Freundin hat Probleme damit und du fühlst nichts für mich. Ich weiß das mittlerweile“ „Nein das ist es nicht. Du musst hier einfach nur weg. Ich weiß nicht, wie lange ich dich beschützen kann.“ „Also weißt du was hier vor sich geht? Erik, sag es mir? Sag nicht, dass deine Freundin dahinter steckt. Das ist verrückt!“ „Ich kann es dir jetzt nicht erklären! Komm, lass uns schnell ins Hotel gehen.“ Erik zerrte Simone hinter sich her und brachte sie sicher in ihrem Hotelzimmer unter.

Als Simone unter der Dusche stand, versicherte sich Erik, dass die Tür gut abgeschlossen war. Er wusste, dass es nicht einfach war Simone zu retten, aber er musste es versuchen. Er wollte sie nicht weiter in Gefahr bringen. Das Beste wäre, wenn sie noch heute Nacht abreisen würde. Sobald Simone aus der Dusche kam, würde er es ihr sagen.
Mit nassen Haaren und in einen weißen Bademantel gewickelt, stand Simone vor Erik. Ihre langen Haare fielen ihr auf die Schultern und mit ihren müden, angsterfüllten Augen, starrte sie Erik an. Es tat ihm in der Seele weh, sie so zu sehen und doch hatte er ein großes verlangen, sie in den Arm zu nehmen und zu küssen. Erik machte einen Schritt auf sie zu und strich ihr über die Wange. „Was ist da vorhin passiert Erik?“, fragte Simone flehend. Geschlagen setzte sich Erik auf das Bett und begann zu erzählen. „Sie ist was? Sie sammelt junge Seelen, um sich selber jung zu halten? Tamara? Die Tamara die ich heute gesehen habe? Ich versteh nicht ganz.“ Simone war verwirrt und glaubte zu spinnen. Erik versuchte ihr zu erklären, dass sie tatsächlich böse und er ihr Sklave war. Erik musste ihr jedes Jahr mindestens eine Seele liefern und dafür durfte er weiter leben. „Aber wie ist es dazu gekommen? Sie ist also nicht menschlich?“ „Nein ist sie nicht. Tamara war aber einmal menschlich. Vor zweihundert Jahren zirka. Wir hatten vor einigen Jahren zu Halloween ein Spiel gespielt. Es ging dabei um eine alte Geschichte, über eine Frau genau gesagt, die hier gestorben war. Sie wurde von ihrem Mann brutal niedergemetzelt, weil er mit seiner Geliebten zusammen sein wollte. Als wir sie freigesetzt hatten, wollte sie mich ermorden, doch irgendetwas hinderte sie daran. Sie entschied sich dafür, mich als ihren Sklaven zu behalten . Ich musste ihr jedes Jahr zu Halloween die Seelen junger Frauen bringen. Wenn ich es nicht tat, würde ich sterben. Mit den Seelen konnte sie ein weiteres Jahr auf Erden wandeln. Als sie gemerkt hatte, dass du mehr als nur eine Bekannte für mich bist, wollte sie unbedingt dich. Deshalb hat sie dich in den Wald gelockt. Sie wollte mir damit weh tun. Sie hasst alle Männer, da ihr eigener sich ihrer entledigt hatte. „Aber warum will sie dann die Seelen junger Frauen haben?“ „Weil für sie alle gleich sind. Es war die Geliebte, die angeblich den Mord geplant hatte. Für sie sind Männer einfach nur dumme Geschöpfe, ohne eigenem Willen. Schwanzgesteuert und einfältig, wenn du es so willst. Die wahre Intelligenz ist die Frau und somit ist es deren Seele, die sie interessiert.“ Ungläubig starrte Simone ihn an. Sie verdaute das soeben gehörte und ahnte, dass sie aus dieser Situation nicht so leicht entfliehen konnte. Sie ging auf das Bett zu und stellte sich vor Erik hin. „Also was soll’s. Dann habe ich ja nichts mehr zu verlieren.“ Langsam öffnete sie den Gürtel ihres Bademantels und ließ ihn auf den Boden gleiten. Ihr wohlgeformter, runder Busen befand sich in Eriks Augenhöhe und er musste schwer schlucken, als er Simones deliziöse Rundungen vor sich sah. Mit seiner Zungenspitze liebkoste er ihren Körper und legte sie dann behutsam auf das Bett. Simone umarmte Erik und schloss ihre Beine um seinen Körper. Mit Liebe, legten sich ihre Lippen auf die seinen und er erwiderte ihren zarten Kuss. Langsam schälte sich Erik aus seinem schwarzen Kapuzenpullover und entblößte seinen kräftigen und anregenden Oberkörper. Simone strich ihm über seinen Brustkorb und küsste ihn vom Ohrläppchen bis zu seiner Schulter. Sanft bahnte sie sich mit ihren Händen den Weg zu seinen Jeans, um sie zu öffnen. Sein warmes, steifes Glied erwartete sie bereits. Mit ihrer rechten Hand streichelte sie über seine Hoden und führte dann seinen Penis zu ihrer feuchten Weiblichkeit. Mit einem tiefen Stöhnen des Wohlwollens, drang Erik in Simone ein.

„Du musst verschwinden bevor Tamara hier auftaucht.“, sagte Erik und zog sich hastig an. „Romantik ist wohl nicht deine Stärke.“ „Wie machst du das nur, so ruhig zu bleiben. Sie könnte jeden Moment hier sein.“ „Ich bin nicht ruhig, Erik. Ich habe mich einfach nur damit abgefunden. Was kann ich kleiner Homo Sapiens schon ausrichten? Wenn ich jetzt flüchte, würde sie mir folgen und du weißt das.“ Kaum hatte sie ausgesprochen, sprang die Tür mit einem gewaltigen Windstoß aus dem Schloss. Die Lichter gingen aus und beide wurden in Dunkelheit gehüllt. „Hör auf sie Erik. Du weißt, dass Frauen das Gehirn haben.“, kündigte sich Tamara an. Ein Lichtkegel drang von der Straße aus durchs Fenster herein. Das war die einzige Lichtquelle die den beiden blieb. Simone war in ein Leintuch gewickelt und darunter immer noch nackt. Sie klammerte sich an das Stück Stoff, so als würde es ihr Leben retten. Als sich die Dunkelheit im Lichtkegel materialisierte, stellte sich Erik schützend vor Simone. Tamara nahm ihre menschliche Form an. Ein schrilles Lachen kam über ihre Lippen und ließ ihnen das Blut in den Adern gefrieren. „Ist das nicht süß!“, zischte Tamara und setzte sich auf das ungemachte Bett. „Lass sie in Ruhe Tamara.“, sagte Erik. „Nimm mich, aber lass sie gehen.“ „Ach ja, wie oft habe ich das schon gehört. Es wird langsam langweilig.“ Tamara spielte mit einer Haarsträhne und begutachtete die Nägel der anderen Hand. „Weißt du Erik, es war ein Fehler dich am Leben zu lassen. Männer sind einfach zu nichts zu gebrauchen!“ Immer noch stand Erik schützend vor Simone. „Wie können wir sie aufhalten? Hast du keinen Gegenzauber?“, flüsterte Simone ängstlich. „Ha, das ich nicht lache. Gegenzauber. Du hast wohl zu viel Charmed gesehen. Nichts und niemand kann mich mehr aufhalten. Ich habe meine Seelen für dieses Jahr gefunden. Übrigens, deine Schwester war sehr deliziös.“ Simone riss ungläubig die Augen auf. Als sie verstand, was sie da soeben gehört hatte, wurde ihr schlecht. Sie wurde kreidebleich und musste sich an Erik klammern, um nicht in Ohnmacht zu fallen, doch ihre Tränen konnte sie nicht verbergen. „Oh, wusstest du das nicht? Ist dir nicht aufgefallen, dass deine süße, kleine Schwester nicht mehr im Lokal war, als du weg gegangen bist?“ Tamara erhob sich grinsend vom Bett und holte sich ein Fläschchen Wodka aus der Minibar. „Ein guter Tropfen zur Feier des Tages. Ich muss sagen, dieses Jahr war ein erfolgreiches Jahr.“ Sie trank die Flasche leer und schmiss sie dann vor Eriks Füße. Simone machte einen Satz nach hinten und stolperte über ihr viel zu langes Leintuch. Im Bruchteil einer Sekunde lag Erik auf dem Boden und Tamara beugte sich über Simone. „Du kleines, dummes Kind. Dachtest du wirklich, Erik könnte dich retten?“ Als sich Erik vom Boden erheben wollte, drückte ihn eine unsichtbare Kraft zu Boden. Er kämpfte dagegen an, doch sie war viel stärker als er. Hilflos musste er zusehen, wie Tamara seine Freundin bedrohte. „Wenn ich es gewollt hätte, wäre er schon längst tot.“ Tamara genoss die Angst in Simones Gesicht und sog jede Regung des Mädchens in sich auf. „Deine Seele brauche ich nicht mehr. Die deiner Schwester war gut genug. Aber ich werde mich sehr gut um dich kümmern, meine Kleine.“ Ihre Stimme war scharf, wie die Klinge eines Fleischermessers. Nicht zu vergleichen mit der süßen, anziehenden Stimme im Wald. „Ich habe es auf die gute Tour versucht. Jetzt werde ich aber nicht mehr so lieb sein.“ Simone war starr vor Angst und brachte kein Wort heraus. Sie lag einfach nur da und starrte mit aufgerissenen Augen in Tamaras makelloses Gesicht. Im Augenwinkel bahnte sich eine Träne den Weg auf ihre Wange. Blitzschnell tauchte Tamaras Gesicht vor ihrem auf. „Weinst du etwa?“ Tamaras zynischer Tonfall entging Simone kein bisschen und doch konnte sie nicht antworten. Mit der Zungenspitze leckte Tamara über Simones Wange. „Es wird nicht weh tun. Mach dir keine Sorgen.“ Tamara packte Simone am Haarschopf und schmiss sie unsanft aufs Bett. Vor lauter Schmerz schrie sie auf, doch das befriedigte Tamara umso mehr. Erik lag immer noch regungslos am Boden. Er hatte einfach nicht die Kraft, sich Tamaras Stärke zu entreißen. „Um dich kümmere ich mich später noch. Eines nach dem anderen.“ Tamara beugte sich über Simones regungslosen Körper und streichelte ihr übers Gesicht. Mit ihren langen Nägel hinterließ sie einen tiefen Schnitt auf Simones Wange. Der Duft des Blutes versetzte sie in Trance. Sie genoss das Aroma frischen Blutes und gönnte sich eine kleine Kostprobe. Am Boden, neben dem Bett, versuchte sich Erik immer noch zu erheben. Er schaffte es, unter enormen Kraftaufwand, auf die Knie zu kommen. Erik schnappte sich den Gürtel des Bademantels und in einer Sekunde der Unaufmerksamkeit, band er ihn um Tamaras Hals. So fest er konnte, zog er den Gürtel zu. Überrascht von dem Angriff, schaffte es Simone, sich aus den Fängen der Untoten zu befreien. Sie stolperte aus dem Bett und fiel zu Boden. Erik nahm all seine Kraft zusammen und zog den Gürtel enger um Tamaras Hals. „Lauf Simone. Lauf!“, schrie er seiner Freundin zu. Simone suchte im Zimmer nach einem spitzen Gegenstand um es Tamara ins Herz zu rammen, doch kaum hatte sie einen Brieföffner gesichtet, hatte sich das Monster befreit. Sie packte Erik am Hals und warf ihn gegen die Wand. Der Aufprall war so hart, dass er regungslos am Boden liegen blieb. Unter Erik bildete sich eine kleine Blutlache. Simone schrie um Hilfe, doch niemand schien sie zu hören. Nackt und ohne Schutz, stand sie in Mitten des Hotelzimmers. „Wie jämmerlich du aussiehst.“, lachte Tamara und warf sich auf das Mädchen. „Dir werde ich nun ein Ende setzen.“ Mit einem entsetzlichen Schrei fiel Simone auf den Boden und bewegte sich nicht mehr. Tamara setzte mit ihrem Fingernagel an und Schnitt dem Mädchen die Kehle, von einem Ohr zum anderen, auf. Blut schoss aus der Wunde und verteilte sich über ihren Körper. Einige Sekunden versuchte Simone um Luft zu ringen. Vergebens.

Kurz danach herrschte Totenstille im Raum und langsam tränkte sich der Teppichboden mit Blut. Tamara war zufrieden mit ihrer Arbeit und wusch sich im Bad gründlich die Hände. Nachdem sie gemächlich ihr Makeup aufgefrischt hatte, begutachtete sie ihr Kunstwerk ein letztes Mal, dann drehte sich um und verließ das Hotel.
Die Straßen im Dorf waren leer. Die Bewohner waren schon seit Stunden im Bett. Bald würde für sie ein normaler Tag beginnen. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen, ging sie die Trap Street entlang und dem Sonnenaufgang entgegen.

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