Auszug aus „Gesellschaftsgeflüster“


Überall sprechen die Menschen von dem, was im Moment passiert. Jetzt sprechen sie davon. Im August 2015, ab dem Zeitpunkt wo es sie unmittelbar betrifft. Auch in einem Wirtshaus in der Stadt läuft der Fernseher für die aktuellen Nachrichten. „Flüchtlinge in Ungarn: Sind unsere Nachbarn wirklich so böse? Während Merkel, Juncker und Co an einem neuen Asylsystem für Europa tüfteln, machen die Ungarn den Flüchtlingen das Leben schwer. Sie berufen sich dabei auf überholte EU Regeln.“
Einer der Wirtshausbesucher gesellte sich mit seinem Spritzer an den Tisch, wo bereits ein paar Männer diskutierten. „Diese Flut überfordert Europa. Auch wenn Ungarn es sehr schlecht macht, die halten sich noch am ehesten an die Regeln der EU.“ „Ach so? Entspricht es den Regeln der EU, Flüchtlinge im eigenen Land völlig unversorgt zu lassen und sie damit in Lebensgefahr zu bringen?“, fragte der älteste der Gruppe bevor er sein Bier leerte. „Das Dumme ist nur, wenn man sich nicht an die Gesetze hält, dann wird die Situation überhaupt nie mehr normal werden! Is ja so.“ sagte der Neuankömmling zaghaft in die Runde. „Richtig! Die Merkel und der Faymann haben mit ihrem Verhalten eine Lawine ausgelöst, die wenn man sie nicht stoppt, immer größer wird. Der Orbán hat das erkannt. So einfach ist das.“

Das Gespräch wurde immer angeregter und nun schien es, als würde das ganze Wirtshaus mitdiskutieren. Jeder wusste ein bisschen was und das wollte er kund tun. „Ja aber nicht Ungarn ist die Schande, sonder Saudi-Arabien, der unmittelbare Nachbar. 100.000 Luxus-Zelte und kein einziges für die Flüchtlinge. Eines der reichsten Länder der Welt hat klimatisierte Hightech-Zelte für drei Millionen Menschen, die fast immer leer stehen. Leider haben aber die syrischen Flüchtlinge nichts davon. Ein arabischer Skandal ist das.“ „So ist das. Die Saudis wissen eben, dass Europa ungefähr soviel Rückgrat, wie eine Nacktschnecke hat. Warum sollten sie Leute aufnehmen, wenn Europa freiwillig den Trottel spielt?“ Vom anderen Ende des Tisches ertönt eine zaghafte Frauenstimme: „Du weißt aber schon, dass die Zelte für die Hadsch Pilger gedacht sind und diese in wenigen Tagen beginnt.“ „Ja du Schnepfe“, antwortete ein grauhaariger Pensionist. „Und rundherum verrecken die Glaubensbrüder? Das ist für die Pilger vertretbar?“ „Gut Peppi. Sehr gut. Nicht schlecht Ihre Antwort.“, sagte der Dürre von der Bar aus. „Vor allem wenn man bedenkt, wie oft auf diesen Reisen die Wörter Glaubensbrüder, Nächstenliebe, Menschlichkeit, Friede und Islam fallen.“

Eine elegant gekleidete Dame, höheren Alters und mit einer Zigarette in der Hand, mischte sich ein. „Man kann aber auch gegen die indiskutable Vorgehensweise der Ungarn sein und finden, dass sich Länder wie Saudi-Arabien, Oman, Katar oder Bahrain einfach nur letztklassig gegenüber ihren syrischen Glaubensbrüdern verhalten. Ich mein, das ist ungefähr so, als ob wir 1956, oder in den neunziger Jahren, eben keine Flüchtlinge aufgenommen hätten. Haben wir aber seinerzeit gemacht und machen wir auch jetzt. Daher ist es auf keinen Fall einzusehen, dass uns die Saudis auch noch die Welt erklären.“ „Ja genau.“, antwortete Peppi. „Das ist eine Schande. Was ist Schatzal. Trinkst was? Ich lad dich ein.“ „Nein danke.“, sagte die adrette Dame. „Ich geh jetzt. Hab genug von dem Gerede. Ich wünsch‘ euch was.“…

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