Am Ende, so sagt man, heilt die Zeit alle Wunden! (Auszug)


„Ich sitze in einem leeren Raum, auf einer Matratze. Der Raum hat überhaupt nichts mehr mit dem warmen, einladenden Schlafzimmer von einst zu tun. Das weiße Mondlicht streichelt mir über die Wange und die Blätter im Baum singen mir ein Abschiedslied. Es ist ein Ende, welches einen neuen Anfang fordert und ich werde die Herausforderung annehmen. Mein Herz ist voll von Trauer und Wut und es fühlt sich an, als würde sich alles um mich herum drehen. Und doch stehe ich still.
In diesem Moment verstehe ich, dass uns die Zeit stärker trennt, als es tausende Kilometer zwischen uns tun würden. Ich folge meinem Instinkt. Ich schaue nach vorne, aber nicht nach hinten.
Es tut weh einen geliebten Menschen zu verlieren. Die gegenseitige Bindung, die Verbindung, das imaginäre Band das einen verbindet, zerreißt von einer Sekunde auf die andere und man kann nichts dagegen tun. Es ist wie eine Ohrfeige zu bekommen, kombiniert mit einem Stich ins Herz, gefolgt von Tränen die sich ihren Weg die Wange entlang bahnen und den unbeschreiblichen Schmerz offenbaren, sodass schwarz ein vergleichsweise farbenfrohes Kolorit repräsentiert.
Der Abgrund, der sich vor einem auftut, nur um dich hinabzuziehen, ist verlockend oder scheint unausweichlich zu sein und doch ist es wichtig, sich in den eigenen Schmerz zu werfen und den Gestank in sich aufzunehmen, um seine eigenen Verletzungen heilen zu können.
Am Ende, so sagt man, heilt die Zeit alle Wunden!“

Als Emma den Stift auf die Seite legte, bemerkte sie, dass sie die ganze Zeit über geweint hatte. Sie vergrub ihr Gesicht in ihrem Kopfpolster und ließ ihrem Schmerz freien Lauf. Sie weinte und sie schrie, bis sie ausgelaugt den Kopf hob und ein letztes Mal zu der Tür hinüber sah. Insgeheim hoffte Emma, dass Bob durch die Tür kam, doch sie wusste auch, dass das nie wieder passieren würde. Sie sank langsam auf ihr Kissen nieder und verfiel in einen unruhigen Schlaf.

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