Schmerz – Schuld – Verzweiflung


Emma saß mit angezogenen Beinen auf der Couch in ihrem Wohnzimmer. Ihr schulterlanges blondes Haar klebte ihr am Gesicht und die Tränen flossen in strömen. Draußen regnet es wie aus Eimern. Es war kalt, grau und Emma fühlte sich einsam. Von Minute zu Minute wuchs die Hoffnungslosigkeit in ihrem Inneren und ihre leidende Seele war wie eine offene Wunde, auf die Salz gestreut wurde. Sie fühlte sich machtlos und in ihrer Ohnmacht konnte sie nichts Anderes tun, als weiter zu weinen. Sie wollte einfach nur weinen. Weinen um sich zu befreien, weinen bis sie ausgelaugt in den Schlaf fiel, um an nichts mehr denken zu müssen, um in ihre Träume zu flüchten und um nicht mehr aufwachen zu müssen. Im Schlaf war der Schmerz weniger echt, oder auch gar nicht zugegen. Sie fühlte sich frei, beschützt und alles war immer noch wie es einmal war.
Perfekt!
Emma wünschte sich nichts sehnlicher als nicht mehr aufzuwachen, nicht mehr in die Realität zurück geholt zu werden, doch auch dieses Mal war es ihr nicht gewährt dem Schmerz still und heimlich zu entgleiten. Jeden Morgen, Mittag oder Nachmittag, Zeit spielte für sie mittlerweile keine Rolle mehr, wenn sie aus ihrer Flucht aus den Träumen unsanft geweckt wurde, erwischte sie der Schmerz jedes Mal aufs Neue eiskalt, so als ob ihr jemand mit einem riesigen Fleischmesser das Herz durchbohren würde. Sie war schweißgebadet und hat Schwierigkeiten zu atmen. Mit Tränen gefüllten Augen, zwang sie sich sich von ihrer Couch zu erheben. Im ersten Moment fühlte sie sich schwach auf den Beinen und sie drohte erneut auf die Sitzfläche zu sacken. Doch der Schmerz war zu groß, als ihn noch eine Minute länger ertragen zu wollen und so begab sie sich als Schatten ihrer selbst auf den Weg in die Küche. Sie durchquerte den kleinen Vorraum, der ihre drei Zimmer und das Bad mit der Wohnküche verbinden. Den großen antik-römischen Spiegel an der Wand ignorierte Emma bewusst, da sie absolut keine Lust hatte, sich nach zwei Wochen, ohne geduscht zu haben, im Spiegel betrachten zu müssen. Ihr würde davon nur noch schlechter werden. Also ging sie daran vorbei, geradewegs in die Küche, wobei sie aufpassen musste, nicht die leeren Bier und Weinflaschen umzustoßen. Mittlerweile hatte sich eine beträchtliche Menge an leeren Flaschen und Dosen in ihrer Küche angesammelt. Es tat so gut den Schmerz in Alkohol zu ertränken und so weh, wenn die Wirkung wieder nachließ. Emma erinnerte sich, dass sie nie verstanden hatte, wie jemand in ein tiefes dunkles Loch aus Alkohol fallen und daraus nicht mehr entfliehen konnte. Jetzt weiß sie es und sie könnte getrost auf diese Erfahrung verzichten. Wenn sie doch bloß die Chance hätte, die Zeit zurück drehen zu können. Bevor die nächsten Tränen fließen konnten, hatte Emma schon ein Tennent’s geöffnet und die Flasche bis zur Hälfte ausgetrunken. Erst dann entspannte sie sich ein wenig, nahm ihren Computer und durchforstete alte Fotodateien. Dateien von etwas sonnigeren Zeiten als die, die sie gerade erlebte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s